Plastikmüll: Anschober will bei Produkt-Design ansetzen

EU Plastik-Strategie „guter erster Schritt” – deutlich höhere Recyclingquoten sollen folgen

„Die Plastik-Lawine gefährdet unsere Lebensgrundlagen“, machte der OÖ Umweltlandesrat Rudi Anschober am heutigen Weltumwelttag im Rahmen eines Pressegesprächs deutlich und untermauerte dies mit schockierenden Zahlen und Fakten: So würden jede einzelne Sekunde 700 kg Plastikmüll in den Weltmeeren landen, wo insgesamt bereits 150 Millionen Tonnen Plastik eine Todesgefahr für Meerestiere und Vögel darstellen. Der Müll habe sich aufgrund der Strömungen mittlerweile zu riesigen Inseln geformt, wie im Pressegespräch anhand eines Videos der Fotografin Carolyn Power auf stern.de eindrucksvoll gezeigt wurde.  Der Plastikmüll am Meeresboden habe sich in der Arktis in nur zehn Jahren verdoppelt. 40 Prozent des Plastikverbrauchs in der EU würden auf Verpackungen zurückgehen – allein in Österreich würden jährlich 80 Millionen Take-away Boxen aus Plastik verwendet. Jede Österreicherin, jeder Österreicher, werfe im Durchschnitt 30 kg Verpackungsplastik im Jahr weg. Dazu kommt Mikroplastik, etwa als Zusatz in Kosmetika oder in Kinderspielzeug, und der Plastikabrieb über die Waschmaschine (zum Beispiel durch Fließjacken).

 

Plastikverschwendung reduzieren

„Kunststoff ist ein total wertvolles Produkt – etwa in der Medizin“, stellte Anschober klar, es gehe darum, die Plastikverschwendung im großen Stil zu reduzieren, zumal diese ja auch ein großes Gesundheitsproblem für Mensch und Tier darstelle.

EU-Plastik-Strategie

Der oö. Umweltlandesrat begrüßt daher die am Montag vergangener Woche vorgestellte „EU Plastik Strategie“ – diese hat die zehn am häufigsten an den Stränden und in den Meeren Europas gefundenen Einwegprodukte aus Kunststoff sowie im Meer verloren gegangene oder zurückgelassene Fischfanggeräte im Visier. Im Einzelnen umfasst die Strategie, die derzeit als Verordnungsentwurf vorliegt, der bis zur Europawahl Mitte 2019 beschlossen werden soll, folgende Maßnahmen:

  • Verbot von Kunststoff in bestimmten Produkten, wie Wattestäbchen, Besteck, Teller, Trinkhalme, Rührstäbchen und Luftballonstäbe sowie Einwegtrinkbehälter – diese Produkte müssen aus umweltfreundlichen Materialien hergestellt werden.
  • Maßnahmen zur Verbrauchsminderung von Lebensmittelverpackungen und Getränkebechern durch die EU Mitgliedsstaaten – dies soll durch Zielvorgaben, bessere Verfügbarkeit alternativer Produkte in den Geschäften und Sicherstellung, dass Einwegkunststoffprodukte nicht kostenlos zur Verfügung gestellt werden, geschehen.
  • Verpflichtungen für die Hersteller – einerseits was die Kostendeckung der Abfallwirtschaft betrifft, andererseits die Säuberung der Umwelt und Sensibilisierungsmaßnahmen. Dies betrifft diverse Verpackungen (Behälter, Sackerl, Folienverpackungen….), Flaschen und Becher, Filter von Tabakerzeugnissen, Feuchttücher, Luftballons und leichte Kunststofftragetaschen. Die Industrie, die auch Anreize erhalten wird, umweltfreundliche Alternativen zu entwickeln, habe – so Anschober, bereits signalisiert, „dass sie sich dem stellt“.
  • Sammelquote von 90 Prozent der Einweg-Getränkeflaschen aus Kunststoff bis zum Jahr 2025. Diese könne zum Beispiel durch Pfandsysteme erreicht werden.
  • Standardisierte Kennzeichnungspflicht auf bestimmten Produkten über die Tatsache, dass Kunststoff enthalten ist, die Entsorgung und die negativen Umweltauswirkungen.
  • Verpflichtende Sensibilisierungsmaßnahmen der Verbraucher über die negativen Auswirkungen einer unsachgemäßen Entsorgung, die Wiederverwendungssysteme und Abfallbewirtschaftungsmöglichkeiten aller dieser Produkte.

 

Ziel der EU-Strategie ist es, bis 2050 das Plastikmüllaufkommen komplett recyclebar zu machen.

Nächstes Ziel: höhere Recyclingquoten

Anschober begrüßt die angekündigte Initiative der EU als „wichtigen ersten Schritt“ – als nächstes müsse eine weitere deutliche Erhöhung der Recyclingquoten folgen. Um diese zu erreichen, fordert er ein weiteres Verbot für Mikroplastik in Kosmetika und Pflegemitteln, ein EU-weites Verbot von Einwegverpackungen bei Lebensmitteln, eine verbindliche Quote für Mehrwegflaschen oder ein Pfandsystem für Einwegflaschen, sowie einen Dialog mit der Kunststoffwirtschaft, um die Recyclebarkeit für Kunststoffe bereits im Produktdesign mitzubedenken. Die oberösterreichische Kunststoffwirtschaft zeige sich hier gesprächsbereit, so Anschober: „Mein Umweltressort wird den Dialog unter den oö. Keyplayern starten bzw. verstärken. Im Austausch miteinander soll die Frage beantwortet werden, wie ein Produkt ausschauen muss, damit Recycling optimal möglich ist.“ Die Abfallwirtschaft müsse eng mit den Produzenten zusammenarbeiten.

Von der Bundesregierung fordert Anschober, die Ankündigung der EU Kommission nach einem Plastik-Teilverbot massiv zu unterstützen. Bei der für Freitag, 15. Juni geplanten Konferenz der Landesumweltreferent/innen in Salzburg werde Oberösterreich mit zentralen Forderungen im Bereich Abfall teilnehmen: So wird etwa eine gesetzlich verpflichtende Mehrwegquote bei Getränkepackungen gefordert. Aktuell liege diese Quote – ohne Gastronomie – bei nur 18 Prozent.

In vielen Bereichen sei Österreich im Vergleich mit der EU „Musterschüler“, betonten Bürgermeister Roland Wohlmuth, Vorsitzender und DI Thomas Anderer, GF des OÖ Landesabfallverbandes. So habe man das EU-Recyclingziel für Siedlungsabfälle mit 60 Prozent für 2030 bereits jetzt erreicht. Auch der Anteil an Deponie-Abfällen von vier Prozent in Österreich sei vergleichsweise gering. Neben der Abfallwirtschaft sieht Wohlmuth auch die Produzenten und die Konsumenten in der Pflicht.

Nur sortenreiner Kunststoffmüll ist recyclebar

Das größte Problem der Entsorgung ist laut Wohlmuth, „zu wissen, was drin ist“: Nur sortenreine, saubere Kunststoffe können derzeit recycelt werden. Für die Endverbraucher heißt das: Am besten, sie bringen ihren Müll in eines der Abfallsammelzentren. Denn dort gebe es Beratung und sachgemäße Mülltrennung, die wiederum Recycling möglich mache. Außerdem ließen sich mit den Wertstoffen Einnahmen erzielen. Die ASZ arbeiten schon derzeit mit Gewinn und können so die Müllgebühren stützen. „Jeder, der Müll trennt, liefert einen Beitrag dazu“, so Wohlmuth, der aber betont: „Der beste Müll ist der, der gar nicht erst entsteht!“

Rudi Anschober, oö. Umweltlandesrat, fordert von der Bundesregierung, die Ankündigung der EU-Kommission nach einem Plastik-Teilverbot massiv politisch zu unterstützen.

DI Thomas Anderer und Bgm. Roland Wohlmuth, Landesabfallverband, LR Rudi Anschober

v.l.: DI Thomas Anderer und Bgm. Roland Wohlmuth, OÖ Landesabfallverband, LR Rudi Anschober

Kommentar 1

  1. Christa
    5. Juni 2018

    Da kann man nur zustimmen. Wenn man sieht, dass Klopapier, Gurken und jedes Werbeblattl in Plastikfolien eingeschweist werden, dann gibt’s da genug zu tun. Gar nicht zu denken an die von uns ja schon thematisierten Verpackungsberge für Geschenke – jede Schleife, jedes “Papier” ist ja schon mit Folie überzogen oder überhaupt aus Kunststoff. Und Plastiksackerl sind auch noch jede Menge im Umlauf – einmal gebraucht, werden sie weggeschmissen.

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