Plastikfrei leben – für mich schon lange ein Thema

Über mein Crowdfundingprojekt für den WildnisKulturHof  wurde ich von Wolfgang Gumpelmaier auf den Plastikfrei Blog aufmerksam gemacht. Ob ich schreiben wollte? Na klar!
Um einen ausführlichen Blogbeitrag zu diesem Thema zu machen, brauchte ich vor allem eines – ZEIT. Die hatte ich leider während des Crowdfundings nicht – aber jetzt nehme ich sie mir!

Zeit der Bio-Pioniere

Also, dann beginnen wir mit dem Jahr 1987. In diesem Jahr hatte ich mich mit einem Naturkostladen in Wien 23 selbstständig gemacht. Von vielen unterschiedlichen Bauernhöfen habe ich meine Ware damals noch selbst abgeholt, Milch, Joghurt, Getreide, Nudeln, Erdäpfel, Gemüse, Brombeeren, Erdbeeren, Äpfel und Apfelsaft, Fleisch (frisch geschlachtet) – das alles habe ich aus dem Marchfeld, aus dem Helenen- und Triestingtal, aus der Südsteiermark und dem Südburgenland geholt. Drei Großhändler gab es damals auch – den Naturwarenkontor von Werner Lampert, den BioExpress und das Lebenszeichen. Hannes Gutmann von Sonnentor hat mich noch persönlich im Laden beliefert. Es war die Zeit der Bio-Pioniere! Und damals war es ganz normal und ganz selbstverständlich, dass man – ich sag mal – zu guten 90% die Waren alle OFFEN unverpackt bekommen hat. Nudeln, Getreide, Getreideprodukte, Müsli (verschiedene Sorten selbst gemischt), Topfen, Sauerkraut, Tee, Gewürze,… alles offen und unverpackt. Mehl haben wir mit einer Joven-Getreidemühle für unsere Kunden selbst gemahlen und in Papiersäcken abgefüllt. Damals wäre niemand auf die Idee gekommen, die Sachen noch extra vorher zu verpacken. Zur Ansicht hatte ich große Gläser, aus denen wurde mit einer Schaufel die gewünschte Menge entnommen.

Marketinghype

Wie das Leben so spielt, hatte ich nach sieben Jahren Naturkostladen genug und mich entschieden, Kinder zu bekommen. Somit war ich für lange Zeit (ich habe drei Jungs, 1995, 1997, 1999 geboren) mit dem Kinder-Großziehen beschäftigt und bin so langsam dann wieder aus dem Muttersein aufgetaucht – und was erlebe ich? Plastikfrei boomt! Plastikfrei leben, verpackungsfrei einkaufen – ein Laden nach dem anderen wird eröffnet – der volle Marketinghype! Wie bitte???

Was habt ihr denn die ganzen Jahre getan, während ich mich um meine Kinder gekümmert habe? Alles, was es früher offen und unverpackt zu kaufen gegeben hat – EINGEPACKT? In Plastik? Echt jetzt?
Gut, also natürlich habe ich mitbekommen, dass immer mehr Supermarktketten biologische Nahrungsmittel in ihr Sortiment aufgenommen haben und diese verpackt angeboten haben. Werner Lampert war ja auch hier maßgeblich daran beteiligt, dass bio überall zugänglich wird. Und mit größeren Produktionsmengen, mehr Verteilung und dadurch wieder höherer Nachfrage müssen die Produkte effizienter hergestellt werden und handlich verpackt werden. Im Zuge der allgemeinen Hygienebestimmungen darf ja nun inzwischen vieles gar nicht mehr ‘offen’ verkauft werden, sondern muss unter bestimmten Voraussetzungen abgepackt werden. Das war vor 25 Jahren (glücklicherweise) noch anders.

Plastikfrei im Alltag – nicht immer leicht

Und wie ist es mir in der Zwischenzeit beim Einkaufen ergangen? Naja, mit drei Kids und ein paar Krisen schaut das Leben manchmal gar nicht so einfach aus und die Kapazität, sich dann noch um nachhaltigen Einkauf zu kümmern, schrumpft auf ein Minimum. Wenn das eigene, emotionale und körperliche Überleben den Tag bestimmt, war es zumindest für mich eine lange Zeit nachrangig, wie viel Plastikmüll ich tatsächlich hätte vermeiden können. Die eigenen Unpässlichkeiten sollen natürlich keine Ausrede sein, waren aber meine Realität. Natürlich konnte ich meine ‘Bio-Pionier’-Vergangenheit nie ganz ablegen, zu sehr war damals vieles in meinen Alltag eingeflossen. Aber die letzten Jahre als Alleinerzieherin haben ihre Spuren hinterlassen.

Jetzt, wo ich wieder mehr Energien frei habe (da die Kinder alle am Weg ins Erwachsenendasein sind und ich wieder mehr Luft zum Atmen habe), merke ich, dass sich in unserem fünf bis acht Personenhaushalt wieder Kapazitäten ergeben, wo wir Lösungen zu weniger Müll im Alltag finden. Seit meiner Wirbelsäulen-OP achte ich extrem darauf, nicht zu viel zu tragen und wirbelsäulen-schonend einzukaufen. Das ist gar nicht so leicht, da Glas grundsätzlich schwerer als Plastik ist und es einen gewaltigen Unterschied macht, ob ich sechs Liter Milch in Glasflaschen nach Hause trage oder sechs Liter Milch im Tetrapack. Dazu muss ich sagen, dass ich versuche, so viel wie möglich zu gehen und so wenig wie möglich das Auto zu benutzen. Wir besitzen inzwischen Einkaufswägen, mit welchen ich durch Neulengbach rolle, aber da passt meist kein Großfamilien-Einkauf rein. Auch die Hürden der Gehsteige und Straßenübergänge und der einzelnen Geschäftsaufgänge muss ich meistern. Das bewusste und verpackungsarme (=plastikfreie) Alltagshaushaltsleben ist also heute, wo es die Wahl gibt, manchmal gar nicht so leicht.

Was haben wir in der letzten Zeit nun umgesetzt:

Waschmittel

… lassen wir uns jetzt von Sonett ins Haus liefern, in möglichst Großgebinden – also 25 Liter. Da es in unserer Genossenschaftsanlage keine Wasserenthärtungsanlage gibt und wir in Neulengbach ein sehr hartes Wasser haben, verwende ich Flüssigwaschmittel, da sich Pulverwaschmittel (welches ich früher in meinem Laden im Papiersack verkauft habe) bei niedrigen Temperaturen nicht auflöst. Enthärter, Geschirrspültabs, Fleckenmittel kommen in Pulver und Karton.

Obst und Gemüse

… kaufen wir inzwischen wieder offen. Mehl in Papiersackerln. Nudeln finde ich leider hier in der Umgebung nicht offen, der nächste verpackungsfreie Markt ist holis in Linz (der allerdings vorerst mit Ende August 2016 auch wieder schließt – leider).

Getränke

… sind das Schwierigste. Vieles gibt es inzwischen nur mehr in Plastikflaschen zu kaufen. Hier werden die Kinder wohl selber ihren plastik-(und Dosen-)freien Weg finden müssen, denn ich halte nichts von Verboten, sondern nur etwas von eigener Erfahrung und eigener Überzeugung. Insofern lebe ich gerne vor, bin aber ganz sicher weit entfernt davon, perfekt zu sein – dazu bin ich inzwischen zu reich an Lebenserfahrung. Perfektionismus führt aus meiner Sicht ganz rasch zu Übergriffen anderen gegenüber.
So ergeht es mir auch zum Thema ‘plastikfrei’. Es gilt quasi ‘alles oder nichts’, und das lässt sich nicht immer mit den eigenen Lebensumständen vereinbaren.

Zum Abschluss möchte ich sagen, dass es für mich wirklich um die vielen, kleinen, einzelnen Schritte geht – das Potenzial, Plastik so wenig wie möglich zu kaufen und zu verwenden, schlummert in jedem unserer Haushalte. Müllverringerung ist ein wichtiges Ziel, man kann sich dem Verpackungswahn an sich langsam entziehen und so Schritt für Schritt für immer weniger Müll sorgen. Unser aller Einsparungspotential ist in diesem Bereich sicher groß.

to be continued …

Plastikmüll (Foto: © Mchalea Schmitz)

Plastikmüll (Foto: © Michalea Schmitz)

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