Wie „grün“ ist Bioplastik?

„Bio“ assoziiere ich mit „gesund, gut für Mensch und Umwelt, nachhaltig“. In den vergangenen Beiträgen zum Thema „Bioplastik“ haben wir festgestellt, dass es noch Verbesserungsbedarf gibt, was die Qualitätsstandards, die Entsorgungsrichtlinien etc. betrifft. Es gibt noch weitere kritische Punkte, die es sich lohnen würde, genauer zu untersuchen bzw. zu hinterfragen:

Saure Böden, überdüngte Gewässer

Laut deutschem Umweltbundesamt bieten Verpackungen aus bioabbaubaren Kunststoffen keinen ökologischen Vorteil: Durch den Anbau und die Verarbeitung von Pflanzen für diese Verpackungen würden die Böden stärker versauert und die Gewässer stärker überdüngt, als durch die Herstellung herkömmlicher Kunststoffverpackungen. Außerdem würden mehr Feinstaubemissionen entstehen.[1]

Mehr Energie, weitere Transportwege

Auch der im Vergleich höhere Energieaufwand, der zur Herstellung notwendig sei, sowie der weitere Transport stelle einen Nachteil dar.[2] Martin Hierz zeigt in seiner Diplomarbeit auf, dass Tragtaschen aus Bioplastik in den Lebenszyklusanalysen meist nicht besser abschneiden als konventionelle Plastiksackerl. Er begründet dies damit, dass bei der Zersetzung Methan emittiert würde, die Materialproduktion aufwendiger sei und es beim Recyclen Probleme geben könne. [3]

Verbrennen statt kompostieren

Ein weiteres Problem stellt das Wegwerfverhalten dar: Bioplastik wird überwiegend verbrannt statt kompostiert – schon allein aufgrund der aktuellen Entsorgungsrichtlinien für Bioplastik in Österreich. Diese sehen die Entsorgung der Biokunststoffe ausschließlich im “Plastikmüll” vor – die automatisierte Auslese beim Biomüll könne nämlich nicht unterscheiden, ob es sich um Bioplastik oder herkömmliches handelt, also um so genannte „Fehlwürfe“, die im Biomüll tatsächlich nichts zu suchen haben.

Das geringere Übel

Trotz dieser Nachteile steht fest, dass durch Bioplastik weniger CO2 Emissionen entstehen, der Verbrauch von Erdöl, Erdgas und Kohle reduziert wird und weggeworfenes Plastik über kurz oder lang verrottet. Das sind unbestritten Vorteile. In Biopastikfolien verpacktes Obst und Gemüse wird außerdem meist in Pappkartons gelagert, nicht, wie sonst so oft, in Plastikschalen. Fest steht aber, dass trotz dieser unbestrittenen Vorteile die umweltfreundlichste Verpackung das Mehrweg-Stoffsackerl ist.

 

[1] Presseaussendung des Umweltbundesamts vom 08.10.2012: Biokunststoffe nicht besser – Verpackungen aus bioabbaubaren Kunststoffen sind denen aus herkömmlichen Kunststoffen nicht überlegen.

[2] Christian Bouchal: Bio-Sackerl statt Jute? Forum Gesundheit, Jänner 2012.

[3] Martin Hierz: Nachhaltig „untragbar“. Diplomarbeit, 2015, S 83. Zitiert nach AK Stmk, 2015.

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Bioplastik hat Vor- aber auch Nachteile. Deshalb: Müll vermeiden – Mehrweg-Stoffsackerl verwenden! Foto (c) sam

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