Biokunststoff – was ist das?

Im Gegensatz zur Bezeichung „bio“ für Lebensmittel ist der Begriff  „Biokunststoff“ oder “Bioplastik” nicht gesetzlich geregelt und wird nicht einheitlich verwendet. Es ist deshalb alles andere als einfach für VerbraucherInnen, anhand der Bezeichnung festzustellen, welche Inhaltsstoffe und Eigenschaften die „Biokunststoff“-Verpackung rund ums Biogemüse nun wirklich hat. 

„Biokunststoff“ besteht nämlich manchmal ausschließlich aus nachwachsenden Rohstoffen. Manchmal wird er aber auch auf Basis fossiler Rohstoffe hergestellt. Er ist jedenfalls biologisch abbaubar, das heißt, er zersetzt sich ohne schädliche Rückstände. Um nach der europäischen Richtlinie EN 13432 als „kompostierbar“ zertifiziert werden zu können muss sich ein Sackerl in der industriellen Kompostierung innerhalb von 6 Monaten zu 90% zersetzen, wobei aber kleine Mikropartikel verbleiben dürfen. Auch bezüglich der Kompostqualität gibt die Norm Werte vor.[1] Wenn es länger als 6 Monate dauert, bis das Bioplastik abgebaut ist, darf man es zwar nicht als „kompostierbar“ aber immer noch als „biologisch abbaubar“ bezeichnen. [2]

A propos Richtlinie: Der „Leitfaden für Umweltkommunikation für Biokunststoffe“ empfiehlt, dass wenn industrielle Kompostierbarkeit als Eigenschaft des Kunststoffs angegeben wird, ein Zertifikat eines unabhängigen Dritten gemäß EN 13432 oder eines äquivalenten Standards bestehen sollte (aber nicht muss!).[3]

Fazit: Die Bezeichnung bietet wenig Orientierungshilfe für jene, denen bewusstes, ressourcenschonendes Einkaufen ein Anliegen ist. Vielleicht kann man sich an der Kennzeichnung orientieren? Mehr darüber lest ihr kommenden Donnerstag!

 

[1] www.biobagworld.com/umwelt/biologisch-abbaubar-und-kompostierbar/, abgerufen am 15. 3. 2017

[2] Biokunststoffe in Österreich. Ein Beitrag zur Ressourcenschonung und zum Klimaschutz, Hg.: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, Wien: 2015, Seite 4.

[3] Zitiert nach: Ist Bioplastik das ‚bessere’ Plastik? Eine Standortbestimmung aus VerbraucherInnenperspektive. Hg: Arbeiterkammer Steiermark, 2015.

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Plastikverpackungen: Biologisch abbaubar oder nicht? Und wenn ja, wie schnell? Foto (c) sam

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